Jahreszeiten bestimmen durch ihren Wechsel und ihre regelmäßige Wiederkehr
unser Leben. Doch leider lässt die alltägliche Reizüberflutung
und Zeiteinteilung die bewusste Wahrnehmung der naturgegebenen Veränderungen
immer mehr in den Hintergrund verschwinden.
Auch in der Kita bestimmen Zeitfenster, die Abläufe und Erfahrungen begrenzen,
die Struktur des Tages. Termine, Vorbereitungen, Durchführungen, Dokumentationen
und Aufräumen sind Elemente, die sowohl den Tagesablauf der Kinder als
auch der Erwachsenen bestimmen.
Oft leben wir nur noch diese Tagesstrukturen und nehmen den Kreislauf der Jahreszeiten,
das Werden und Vergehen der Natur und den Einfluss auf unser eigenes Erleben
und Empfinden nicht mehr ausreichend wahr. Und auch zu Hause müssen sich
Eltern vielfältigen privaten und beruflichen Anforderungen stellen, wobei
die Besinnlichkeit und die Konzentration auf die kleinen und großen Wunder
der Schöpfung oft zu kurz kommen.
Ist es nicht traurig, einen erwachsenen Menschen zu sehen, dessen Wahrnehmungsvermögen
für das Ungewöhnliche und dessen Neugier auf das Unbekannte fast verkümmert
ist?
Damit uns das nicht passiert, möchten wir die ungeheure Chance nutzen,
von den Kindern mit ihrem unstillbaren Forscherdrang zu lernen. Wir möchten
uns anstecken lassen von ihrer Fähigkeit, zu staunen und sich anrühren
zu lassen.
Wir wollen mit ihnen leise sein und die Veränderungen der Natur in den
großen und den winzig kleinen Dimensionen mit allen Sinnen erleben. Wir
machen sie aufmerksam und lassen unsere Aufmerksamkeit durch sie wieder entflammen.
Je weniger Eindrücke wir wahrnehmen, desto mehr nimmt unsere Ausdrucksfähigkeit
ab. Der Rhythmus der Natur hilft uns, ein Gefühl für wohltuende Schwingungen
von Ein- und Ausdrücken wieder zu entwickeln.
In diesem Jahr steht also eigentlich die Persönlichkeitsentwicklung der
Kinder und Erwachsenen als erstes Ziel auf unserer Liste, denn „Person“
leitet sich ab vom lateinischen „per sonare“, was bedeutet, etwas
„durch uns hindurch klingen zu lassen“!
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